WeTab vs. iPad:
Kampf der Flundern
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Die Verlage kranken, da kommt die Meldung von mehr verkauften Kindle-eBooks als gedruckten Bücher beim Onlinehändler Amazon (USA) wie ein Wundermittel daher. Doch der Kindle ist eine Einbahnstraße. Mit Kindles E-Ink-Display, das zwar sehr batterie- und augenschonend – aber vollkommen unsexy ist – können Magazine nicht durchstarten. Die Zeitungen FR und FAZ sind zwar kindletauglich, aber Farbbilder wirken im E-Ink nicht.
Mit dem iPad sieht das gänzlich anders aus. Zwar hat Microsoft vorher seinen Tablettrechner Slate gezeigt – aber seit Steve Jobs mit seiner typischen Rollkragenpullover-Performance den Apple-Jüngern den iPad vorgestellt hat, scheint alles klar. Das ist „das Buch der Zukunft”, und auch ein E-Playboy funktioniert hier – nur würde das Playmate des Monats von Apple nicht in den Store gelassen. Der Konzern aus Cupertino zeigt sich da eher zugeknöpft. Für das iPad spricht, Apple hat mit dem iBook-Store den Vertriebsweg. Eben dieser kontrollierte Vetriebsweg spricht aus Sicht der Verleger gegen Apple, schließlich haben Bauer und Springer ja auch Herrenmagazine im Angebot. Das über 400.000 mal geladene stern-iPhone-App wurde kurzfristig, wegen einer Bilderstrecke, aus dem App-Store entfernt. Ein US-Konzern kann die Beschränkung deutscher Pressefreiheit nun per Patent-Rezept verordnen?
Jetzt taucht auf einmal Neofonies WeTab als Retter am Krankenbett auf. Zunächst firmierte das WeTab unter dem Namen WePad, dann wurde es umbenannt. Grund unbekannt. Neofonie über das WeTab: „Für Verlage bedeutet jeder für das WeTab gewonnene Leser eine direkte und langfristige Kundenbeziehung, die Basis für Paid Content, ein umfängliches Kundenwissen und neue Formen der Kunden-Kommunikation. Während Plattformen, wie Apple iTunes und Amazon Kindle, die Verlage in die Rolle eines reinen Content-Lieferanten drängen, behalten die Verlage mit dem WeTab den Zugang zum und das Wissen über ihre Leser.” Abwarten – der Start ist mehrfach verschoben worden, jetzt soll ab 19. September ausgeliefert werden. Einige denken an einen Aprilscherz – „iPad-Konkurrenz aus Deutschland?”
Zweiflern ist spätestens seit Ende März das Lachen vergangen. Da stellte Gruner + Jahr (G+J) Vorstandschef Bernd Buchholz das „Stern eMagazine” nicht wie zunächst gemeldet auf dem WeTab vor, sondern auf einem Tablet PC von Fujitsu: „Wir wollen nicht die Ersten sein, sondern das beste Angebot machen.” Hinter G+J steht mit Bertelsmann der weltgrößte Verleger. Ein G+J-Verlags-Sprecher gegenüber heise online: „Uns geht es darum, unsere Inhalte geräteunabhängig zu präsentieren – ganz gleich, ob auf dem iPad, WeTab oder anderen Geräten mit Touchscreen.” Ob das eine bittere Pille für Apple wird? Fragt Ihr Andy Artmann.
Webtipp: „Stern”-Chef Thomas Lindner enthüllt das Geschäftsmodell seines eMagazins HORIZONT.NET.
P.S.: Mit der tango-Produktfamilie lassen sich eBooks und eMagazine im PDF- und EPUB-Format für alle „Tabletten” herstellen. Eigene Apps für das iPad gibt es mit der neuen Version 4.6 im Herbst 2010.
Hinweis: Zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2010.





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